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2026/01/23 - ÿ ë³öåìºðíîº òðºïëî ãîë³ìîº ôóôëî áàçàð ìîé âñº áëÿ äºêëàðàöü³
2026/01/23_2 - ñºì'ÿ çàéîáàííîñòü ðàáîòà
2026/01/23_3 - Dao De Ching Italian 3
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23 ÿíâàðÿ 2026
Dao De Ching German 2

Dao De Ching
老子,「道德經」(ru) Þëèÿ Ïîëåæàåâà http://lib.ru/POECHIN/lao5.txt
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https://skymon.binoniq.net/2025/09/04_2 Dao De Miao

1 (1-30 de https://skymon.binoniq.net/2026/08/12)

Was sich sagen lässt, ist nicht das Wahre
Was benannt wird, ist nicht das Eine

Namenlos ist der Ursprung
von Himmel und Erde

Benannt ist die Mutter
aller Dinge

Beides entspringt derselben Wurzel
doch trägt ein anderes Gesicht

Gemeinsam nennen wir es tief
Tiefer noch:
das Tor zum Wunder

Im Freisein von Begehren
enthüllt sich das Wesen

Wer begehrt
sieht nur die Formen

Formen wechseln
Das Wesen bleibt

Der Weg vom Wort
zur Sache selbst
ist der Weg des Dao

2

Gut und schlecht
entstehen durch Benennung

Indem wir etwas nennen
geben wir ihm Maß und Grenze

Schönes gibt es nur
wo Hässliches mitgedacht ist

Leben verstehen wir
erst am Nicht-Leben.

Lang und kurz
erscheinen nur im Verhältnis

Tief wird erkannt
indem Hoches entsteht

Ein Ton braucht den andern
damit Klang wird

So folgen einander
Zukunft, Gegenwart, Vergangenheit

Darum wirkt der Weise
durch Nicht-Tun

Er lehrt ohne Worte
und ordnet ohne Zwang

Er schafft
und hält nicht fest

Er setzt Bewegung frei
immer wieder
ohne sich einzumischen.

Wandlung geschieht
ohne Mühe

Vollendung tritt ein
ohne Stolz

So verliert er
weder Achtung
noch Liebe

3

Würde Wissen nicht geehrt
entstünde kein Wettstreit ums Recht

Würden Kostbarkeiten nicht reizen
gäbe es keinen Diebstahl

Wäre kein begehrtes Objekt
vor aller Augen
was könnte die Herzen beunruhigen?

Darum ordnet der Weise
ohne zu verhärten

Er sorgt für Nahrung und Kleidung
und entzieht dem Begehren den Boden

Er dämpft Ziele
kühlt die Leidenschaften
schwächt den Zwang des Wollens

Wer weiß
missbrauche das Wissen nicht gegen das Volk

Denn nur Nicht-Eingreifen
bewahrt die Ruhe

4

Das Dao lässt sich kaum bestimmen

Ohne Körper
ist es Ursprung aller Dinge

Leer —
und wirkt doch unerschöpflich

Formlos —
und birgt doch alle Form

Tief —
und Ursache aller Erscheinung

Nichts lässt sich ihm gleichstellen
Alles Seiende
ist Staub neben ihm

Sein Leuchten
seine Klarheit
seine Erschütterung
gleichen nur dem Chaos

Es geht allem Anfang voraus

Wer es schuf —
ich weiß es nicht

5

Himmel und Erde
kennen kein Mitleid

Natur folgt keinem menschlichen Maß

Sie ändert ihren Lauf nicht
aus Schonung
für Leidende

So geht auch der Weise
mit der Natur
und achtet das natürliche Leben des Volkes
ohne sich auf Menschlichkeit zu berufen

Manches wirkt nur durch Leere

Eine Flöte
Ein Blasebalg

Je größer die Leere
desto freier die Bewegung

Je mehr Bewegung
desto größer der Nutzen

So ist auch der Raum
zwischen Himmel und Erde:

wunderbar
durch seine Leere

Darüber zu reden
ist müßig

Maß zu halten
ist in allem nützlich

6

Wer den Ursprung von Himmel und Erde sucht
stößt auf ein Tor –
den Grund des Seins

Tief im Tor
liegen die Wurzeln des ersten Werdens
Jenseits des Tores:
Nichts

Das Tor ist der Übergang
vom »Vielleicht« zum »Es ist«
ein zeitloser, unaufhörlicher Akt des Entstehens

Aus dem Nichts
ergießt sich grenzenlose Vielfalt der Anwendung
ein Wirken
wie ein Faden
der sich zieht
und niemals reißt

7

Weil Himmel und Erde
sich nicht um sich selbst sorgen
währt ihre Zeit ohne Ende

So handelt auch der Weise:
Wer sein Leben nicht festhält
lebt länger
Wer zuletzt gehen will
geht voran
Wer Verlust nicht fürchtet
findet Glück

Wer nicht an sich haftet
dem bleibt das Glück treu

8

Wasser ist das höchste Gleichnis der Würde

Es nützt allen
und sucht die Stille
Es streitet nicht um Rang oder Ehre
und verweilt gern dort
wo niemand sein will

Sieh ins Wasser –
du erkennst dein Gesicht
Sein Fließen
gleicht dem Strom des Dao

So folgt der Weise
dem Wunsch seines Herzens:
freundlich zu allen
wohnend in Einfachheit

Wahrhaftig im Wort
ruhig im Lenken
entscheidend zur rechten Zeit
nehmend nur, was seiner Kraft entspricht

Nachgiebig wie Wasser
dem Schweigen zugewandt –
so gehen Irrtum und Unheil
an ihm vorüber

9

Wisse, wann es genug ist

Kein Gefäß
lässt sich über den Rand füllen
Übermaß an Reichtum
lässt sich nicht bewahren
Eine allzu scharfe Klinge
stumpft schnell ab

Maßlose Eitelkeit
in Besitz oder Rang
ruft Unheil ins Haus

Gehen zu können
wenn das Werk vollendet ist –
das ist
das Gesetz des natürlichen Weges

10

Wenn du mit dir selbst in Einklang bist
mit Leib und Seele
und die Einheit nicht verlierst

wenn du im Stillen des Atems
wieder wirst wie ein Neugeborenes

wenn du dein Schauen klärst
und frei wirst von Verirrung

wenn du die Menschen schlicht liebst
und, an der Spitze deines Landes
ohne List regierst

wenn du wie die ewige Mutter
Leben gibst und Tod
ohne Anhaften

wenn du die Welt umfassen kannst
ohne dich zu verlieren –

dann nähre und lehre
sorge und gebäre
erschaffe, ohne zu besitzen

Handle, ohne Lohn zu erwarten
Führe, ohne Herrschaft zu beanspruchen

So erkennst du
die Gnade des De

11

Was nützt ein Rad
ohne das Loch für die Achse?

Der Krug ist aus Ton
doch brauchbar ist seine Leere

Je größer der Raum im Haus
desto freier und angenehmer das Wohnen

So erschafft die Leere den Nutzen
und das Gefüllte schafft Besitz und Ertrag

12

Zu viele Farben schwächen die Augen
Zu laute Klänge betäuben das Ohr
Zu viele Geschmäcke stumpfen das Fühlen ab

Das Herz mit Vergnügen zu reizen
ist eine leere Mühe

Übermäßige Begierden
stören das ruhige Leben
Aus Schätzen entstehen die meisten Verbrechen

Der Weise bleibt von Schmuck unberührt
Er denkt lieber an Nahrung

13

Lob und Tadel
beunruhigen gleichermaßen

Je mehr du dich selbst bewertest
desto größer wird deine Angst

Du fürchtest den Verlust deines Namens
und fürchtest Menschen, wenn du fällst

Wer sich selbst wenig Gewicht gibt
den berühren fremde Meinungen kaum

Wer sich über die Welt erhebt
macht sich nur abhängiger von ihr

Wer jedoch sein Leben
dem Dienst an anderen widmet
gewinnt die Welt
durch Vertrauen und Liebe

Denn die Welt überlässt sich dem
der sich nicht von ihr trennt

14

Die Sinne setzen Grenzen
in der Erkenntnis des Dao:

Es ist nicht hörbar –
jenseits des Klangs
Nicht sichtbar –
jenseits des Sehens
Nicht tastbar –
jenseits der Berührung

Eins
nicht zu definieren
durch Lehre oder Wissenschaft

Sein Aufstieg bringt kein Licht
sein Fall keine Dunkelheit

Das Namenlose ist beständig
und kehrt immer wieder ins Nichtsein zurück

Form ohne Form
Bild ohne Inhalt –
unklar, verschwommen
alle Namen sind hilflos

Wer vor ihm steht, sieht kein Gesicht
Wer ihm folgt, findet keine Spur

Sein Gesetz verbindet alle Zeiten
Wer ihm folgt
versteht die Gegenwart
und erkennt den Ursprung der Welt

Dieses Gesetz
heißt der ewige Faden des Dao

15

Die Menschen des alten Dao
drangen so tief
in das Wesen der Dinge ein
dass Unkundige sie kaum verstehen konnten

Darum beschreibe ich nur ihr Verhalten
das ihren Blick auf die Welt zeigte:

Vorsichtig wie jemand
der über Eis einen Fluss überquert
Wachsam
als stünde ein Angriff bevor

Einfach wie unbearbeitetes Holz
Höflich wie ein Gast
Zart wie Eis im Frühling
Achtsam wie ein Haus
das einen Geliebten erwartet

Undurchdringlich
wie Schlamm, der vom Berg herabstürzt

Unverstanden von anderen
doch fähig, Unklares zu klären

Im Nicht-Handeln verweilend
führten sie andere zum Gelingen

Fest im Dao
maßvoll in Wünschen
zufrieden mit Wenigem

Sie lebten im Frieden mit Armut
und strebten nicht danach
Neues zu erschaffen

16

Bewahre das Bewusstsein
in vollkommener Ruhe
so gelange ich
an die Grenze der Leere

Wortlos beobachte ich
wie die Dinge
im Aufbruch des Lebens erblühen
und langsam
zu ihrem Ursprung zurückkehren

Zur Ruhe
Zur Leere

So ist das Los von allem

Dieser ewige Kreislauf
heißt Beständigkeit

Sie zu erkennen
ist Erleuchtung
Sie zu missachten
führt ins Dunkel

Wer die Beständigkeit annimmt
erkennt darin
die Gerechtigkeit der Natur

Dieses Gesetz
das die Welt lenkt
ist das Einzige
was nicht vergeht:

Ohne Körper
dem Tod bestimmt
dauert das Dasein des Dao
ohne Ende

17

Nicht vertrauenswürdig ist
wer dem Volk nicht vertraut
Er regiert am schlechtesten
und alle verachten ihn

Ein wenig besser
ist, wer durch Furcht regiert

Mehr erreicht
wer mit Liebe
und Achtung führt

Doch der beste Herrscher
ist kaum bekannt

Er hält keine Reden
er zeigt sich nicht

Ist das Werk vollbracht
das Ziel erreicht
sagen die Menschen nur:
„Es geschah von selbst“

18

Wenn der Mensch
den Dao-Weg in sich verliert
erzwingt die Gesellschaft
Gesetz und Ordnung von außen

Kann einer nicht mehr
nach seinem Gewissen leben
tritt ihm Pflicht entgegen:
zivil und familiär

Wo der schlaue Verstand
Prinzipien erfindet
entstehen Heuchelei
und Widerstand

In Familien voller Streit
spricht man oft von Pflicht

In Ländern ohne Ordnung
fordert man Loyalität
und Gesetzestreue

19

Gäbe es
keine Gelehrsamkeit
kein Wissen
wären die Menschen
hundertfach glücklicher

Gäbe es
keine Spezialisten
und keine Händler des Profits
gäbe es
keinen Boden für Verbrechen

Gäbe es
keine Moralgesetze
und auferlegten Normen
kehrten die Menschen zurück
zur Harmonie der Familie

All dies sagt nur eines:

Für den Weisen
ist Einfachheit der rechte Weg

Unbehauenes Holz
Ungefärbtes Tuch

Ego loslassen
Begehren aufgeben

20

Zu allen Zeiten
leidet der Weise
an der Weisheit

Ist der Schritt
zwischen Achtung und Verachtung
wirklich so groß?
Ist der Unterschied
zwischen Gut und Böse
so klar?

Wer Furcht erzeugt
lebt selbst in Angst

Allein
mitten im Fest
wandle ich ziellos umher
nehme Eindrücke auf
zerstreut

Wie ein Neugeborenes
blicke ich staunend in die Welt
ohne zu suchen
ohne Erwartung

Wo ist das Haus
in dem ich Frieden finde?
Ich hoffe kaum
ihm je nahezukommen

Hilflos treibe ich
wie ein kleines Blatt
im Strom

Wohlstand zu sichern
ist aller Ziel
Ich allein
bleibe abseits

Töricht!
Ich habe nichts vorzuweisen
Man hält mich für einfältig

Die anderen
haben zu allem Meinungen
sind sicher
ohne Zweifel

Nur ich
wandle im Dunkel
Tag und Nacht

Unwissend von Kindheit an
verstehe ich nicht
was allen klar ist

Wie träumend
liege ich
auf dem Grund
des Meeres des Lebens

Alle Menschen
glänzen vor Fähigkeiten,
streben nach Ziel und Erfolg

Nur ich
ziellos wie eine Welle
nutzlos schwankend

Ich teile
die gewöhnlichen Geschäfte der Welt nicht
Ich nähre mich allein
an der Brust
der Mutter Natur

21

Das Dao setzt die Grenze des De
Aus dem Dao geht De hervor
und folgt ihm zurück

Das Dao selbst
ist dunkel und wundersam
und auch in seinem Wirken
liegt das Wunder

Unklar und unbestimmt —
doch in seiner Tiefe
verbergen sich die Bilder aller Dinge

Dunkel und verhüllt —
doch in seiner Verborgenheit
ist der Sinn des Lebens bewahrt

Unfassbar und schwarz —
doch in dieser Nacht
liegen die Keime des Seins

Ein möglicher Funke der Wirklichkeit
In ihm hat alles Natürliche
seine Deutung

Von der Ferne der Zeit
bis in unsere Tage
versuchte man, es zu erklären
ihm einen Namen zu geben
es verständlicher, weniger fremd zu machen —
als Werkzeug des Erkennens
für den Ursprung aller Dinge

Woher weiß ich
dass es so ist?
Aus diesem selbst

22

Das Unvollkommene
bewahrt den Keim der Vollendung

Das Krumme
wird gerade

Nur das Leere
kann gefüllt werden

Das Alte
öffnet den Weg zur Erneuerung

Mangel
trägt die Möglichkeit des Gewinns

Überfluss
trägt die Nähe des Verlustes

So vereinen sich Gegensätze
zu einem Ganzen

Dieses Bild
nimmt der Weise
als Maß seines Handelns

Er stellt sich nicht zur Schau —
und ist doch sichtbar

Er beharrt nicht —
und ist im Recht

Er rühmt sich nicht —
und sein Weg wird Vorbild

Er empfängt Macht —
und ist nicht stolz

Er streitet nicht —
darum gibt es keinen
der ihn verdrängen könnte

Ist also das alte Wort nicht wahr:
Das Unvollkommene
bewahrt das Vollkommene
?

Nimm die Wandlung an
als Rückkehr
zu deiner Vollendung

23

Ein Morgensturm
währt nicht lange
Ein starker Regen
hört bald auf

So spricht die Natur
mit sparsamen Worten

Was dann vom Menschen
der sich nicht einmal bemüht
ihr gleichzukommen?

Sollte er nicht
seine Worte hüten
und über das Wesentliche
wenig sagen?

Wer sein Leben
als Dienst am Dao begreift
steht fest auf dem Weg —
und der Weg bestätigt ihn

Wer sein Leben
als Dienst am De versteht
wird selbst zur Tugend —
und begegnet der Freude

Wer das Leben
als Weg des Verlustes sieht
trägt die Schuld am Verlust
selbst
und findet keinen Ausweg

So heißt es seit alten Zeiten:
Jedem wird gegeben
nach seinem Vertrauen

24

Wer auf den Zehen steht
steht nicht fest

Wer zu große Schritte macht
kommt nicht weit

Wer sich zur Schau stellt
findet keine Anerkennung

Wer sich selbst lobt
erlangt keinen Ruhm

Wer angreift
erreicht keinen Erfolg

Wer stolz ist
führt niemanden

Alles Lebendige
meidet das Überflüssige
und die Unruhe

Willst du im Einklang
mit dem Dao leben —
so meide auch du sie

25

Es gibt etwas
ungeformt und vollkommen
geboren vor Himmel und Erde

Still
Leer
Allein

Es steht für sich
und verändert sich nicht
Es bewegt sich unaufhörlich
und verliert nichts

Es durchdringt alle Dinge
und gebiert alles Seiende

Seinen Namen kenne ich nicht
Ich bezeichne es mit dem Zeichen: Dao

Muss ich ihm einen Namen geben
nenne ich es: das Große

Groß sein heißt:
fern sein
Fern sein heißt:
zurückkehren

Das Große kehrt zurück —
und entzieht sich erneut dem Verstehen

Wie könnte also
ein kleines erkennendes Wesen
das Unermessliche ganz begreifen?

Darum heißt es:
Dao ist groß
Der Himmel ist groß
Die Erde ist groß
Auch der Mensch ist groß

Vier Große gibt es im All
Und der Mensch ist einer von ihnen

Der Mensch folgt der Erde
Die Erde folgt dem Himmel
Der Himmel folgt dem Dao
Das Dao folgt sich selbst

26

Das Schwere
ist die Wurzel des Leichten
Die Ruhe
ist Herrin der Bewegung

Darum verliert der Weise
auch wenn er Wunder auf dem Weg erblickt
sein Gepäck nicht aus den Augen

Kein prachtvoller Anblick
verführt ihn dazu
die Last abzuwerfen
und vorauszueilen

So soll auch der Herrscher bedenken:
Geringschätzung des Volkes
führt zum Scheitern

Die Ruhe des Volkes
ist die Wurzel starker Herrschaft

Wohin will ein Herrscher gehen
wenn er sich von der Wurzel trennt?

Wer Siege und Erfolge
nur für sich sammelt
entleert ihren Sinn

In leerer Hast
verliert man leicht die Macht

27

Der beste Wanderer
hinterlässt keine Spuren

Der beste Sprecher
erklärt sich nicht

Der vollkommene Plan
hat keinen Plan

Wenn der Weise verbindet
gebraucht er kein Seil —
und doch lässt sich die Bindung
in tausend Jahren nicht lösen

Wenn der Weise Türen schließt
braucht er kein Schloss —
und kein Schlüssel vermag sie zu öffnen

Darum lebt der Weise
mit offenen Türen

Er begegnet allen
mit Vertrauen und offenem Herzen

Wer auch kommt
findet keine Abweisung:
ob Mensch in Not oder im Zweifel
ob Wesen oder Tier —
niemand geht ohne Hilfe fort

So lehrt er jene
die lernen wollen
und gewinnt dabei selbst
Freude und Achtung

Doch bindet er sich nicht
an seine Schüler
und auch der Schüler
soll dem Lehrer
nicht zu viel Verehrung geben

Denn Wissen ohne Irrtum
ist eine reiche Quelle
der Verstrickung und Torheit

Dies als Wahrheit zu erkennen
genügt

28

Wer das Männliche kennt
das Weibliche aber bewahrt
wird zum Tal der Welt

Als Tal der Welt
verlässt ihn die Kraft des Dao nicht
und er kehrt zurück
zum Zustand des Neugeborenen

Wer das Helle kennt
das Dunkle aber bewahrt
wird zum Maß der Welt

Als Maß der Welt
weicht er nicht vom Dao ab
und kehrt zurück
zur ursprünglichen Einfachheit

Wer Ruhm kennt
die Niedrigkeit aber bewahrt
wird zum Grund der Welt

Als Grund der Welt
ist seine Tugend vollkommen
und er kehrt zurück
zum ungeformten Holz

Das ungeformte Holz
lässt sich teilen
und wird zu Werkzeugen

Der Weise gebraucht sie
ohne zu zerschneiden

Darum bleibt das Große
ungespalten

29

Die Welt ist ein heiliges Gefäß
Man kann sie nicht ergreifen

Wer sie ergreifen will
verdirbt sie
Wer sie festhalten will
verliert sie

Denn manches geht voran
manches folgt
Manches ist stark
manches schwach
Manches wird aufgebaut
manches zerfällt

Darum meidet der Weise
das Zuviel
das Zuvor
das Extreme

30

Wer Herrscher berät
im Sinne des Dao
rät nicht zum Gebrauch von Gewalt

Denn Gewalt
kehrt immer zurück

Wo Heere lagerten
wächst Dornenkraut
Auf Kriegszüge
folgen Jahre
von Hunger und Elend

Darum siegt der Weise
nur aus Notwendigkeit

Er erreicht sein Ziel
und geht nicht weiter

Er siegt
ohne Stolz
Er siegt
ohne Ruhm
Er siegt
ohne sich zu rühmen

Er siegt
weil er nicht anders kann

Wer durch Gewalt erstarkt
verliert früh seine Kraft

Dies widerspricht dem Dao —
und was dem Dao widerspricht
endet bald

31

Die Waffe des Krieges – welch unheilvolles Zeichen
sie gebiert Furcht und Hass in den Menschen
Sie ist der rechten Hand zugeordnet –
wer das Dao versteht, hasst es, eine Waffe zu halten

Im Frieden gibt der Weise dem Herrscher Rat
mit der linken Hand die Ruhe zu bewahren
Doch wenn der Feind sich naht in dunklen Tagen
darf er der rechten Hand die Macht gewähren

Im Frieden ehrt man die Linke
im Kampf die Rechte
Die Linke mahnt an gute, friedliche Tage
die Rechte ist ein Zeichen dunkler Vorahnung

Die Waffe des Krieges – welch unheilvolles Zeichen!
Der weise Herrscher greift zu ihr
nur im äußersten Fall, wenn es keine Wahl gibt
Bewahrt er seine Fassung, siegt er
doch ohne Freude, ohne Feier

Wer könnte Grund zum Feiern sehn
in dem, was Tod und Leid gebracht?
Wer Siege feiert, findet kein Verständnis
beim Volk, das seine Toten beklagt

Wenn der Herrscher die Siegesparade hält
stehen die hohen Offiziere rechts
die niederen Ränge links
Diese Verteilung der Ehrenplätze
gleicht der des Trauerrituals:
Denn die Opfer des Krieges rufen nur Schmerz und Bitterkeit hervor –
die Sieger stehen wie bei einer Totenwache

32

Das Dao gleicht dem natürlichen, ungeteilten Holz –
unbenennbar, unzerteilbar in seinem Wesen
Denn selbst in seiner kleinsten Erscheinung
steht es nicht in Unterordnung zum Ganzen
es ist sich selbst gleich, in nichts geringer

Könnte man dieses Prinzip statt aller Herrschaft
in der menschlichen Gesellschaft verwirklichen
dann bräuchte es keinen Zwang mehr:
Jeder sähe des Anderen Nutzen als den eigenen
das Volk fände Glück in der Selbstbestimmung
Nicht Reis, sondern Honigtau würde man von den Feldern sammeln
Himmel und Erde verschmölzen in ekstatischer Vereinigung...

Doch ach, dieser Traum ist schön – und bleibt vergebens
Die Menschen haben eine andere Ordnung angenommen
deren Grundlage die Unterscheidung ist
die Trennung von Eigenschaften und Merkmalen
und deren Krönung die Namen sind

Alles trägt seinen Namen mit seiner Definition
steht in Beziehung und Vergleich zu anderem –
wie zwischen polierten, lackierten Holzstücken
die zur Zierde dienen
sieht man nun die Unterschiede der Wesenheiten

Das Benennen und Unterscheiden
ist den Menschen im Alltag nützlich
und für ihre Praxis wichtig
Doch es droht die Gefahr, das Gefühl der Einheit zu verlieren
Darum ist es gut, die Grenzen im Erfinden neuer Worte zu kennen:
Alles, was in Worten verschieden scheint, ist im Wesentlichen Eines

Verschiedene Flüsse fließen getrennt in ihren Tälern –
doch folgst du ihrem Lauf bis zum Meer
erkennst du, dass es in Wirklichkeit keine Trennung gibt
sondern nur ein einziges Wasser

So ist auch das Dao – in unzähligen Erscheinungen bleibt es
für immer das Eine, Ganze

33

Kennst du die geheime Saite in der Seele des anderen – bist du weise
Verstehst du die dunklen Seiten deines Herzens – bist du erleuchtet

Kennst du den Geschmack des Sieges – bist du ein starker Held
Doch doppelt stark bist du, wenn du dich selbst besiegen kannst

Bist du zufrieden mit dir und deinem Los – bist du reich
Doch stärke deinen Geist, dass er standhalte für neue Erfolge

Verlierst du dein Ziel nicht auf langem Weg –
so werden auch deine Jahre lang sein
Und stirbst du, doch bleibst du nicht vergessen –
so bleibt nicht dein Leib, doch deine Seele für Jahrtausende

34

Dem Fluss gleich, der sich über die Ufer ergießt
ist das Dao – keine Grenzen, keine Richtung
kein Links und kein Rechts
Die zehntausend Wesen, die nicht einmal wissen, dass es existiert
sie werden aus ihm geboren und kehren zu ihm zurück
Es erschafft alles Lebendige und Leblose
erwartet nichts dafür zurück
Es nährt die Welt mit schöpferischer Kraft
ohne jemanden zur Unterwerfung zu zwingen

Es hat keinen eigenen Willen, keine Selbstsucht –
was im öffentlichen Bewusstsein oft
als Bedeutungslosigkeit oder Armut gilt
Doch sein Antlitz ist arglos
Das Dao umfängt die ganze Welt
nimmt alle auf, ohne jemanden abzuweisen
Es denkt nicht an sich als den großen Herrn –
und gibt uns so ein Beispiel wahrer Größe

35

Dem Dao folgen, Unheil vermeiden –
alles bewegt sich ewig in der Suche nach Frieden
Doch wo der Reisende Speise und Freude findet
dort hält er unwillkürlich inne

Zwar ist das Dao selbst keine Speise
und mit Geschmack, Aussehen oder Klang nicht zu fassen
Doch wer lernt, aus ihm Freude zu schöpfen
dem wird diese Quelle nie versiegen

36

Was du zusammendrücken willst, musst du zuvor ausdehnen
Was du schwächen willst, lass zuvor an Stärke gewinnen
Was du beseitigen willst, lass zuvor erblühen
Was du dir nehmen willst, gib es zuvor als Geschenk

Das ist die Weisheit, durch die die Schwäche
jede Stärke überwinden kann

Wie der Fisch die Tiefe des Wassers nicht verlassen darf
so darf der Staat seine Mittel nicht vor dem Volk offenbaren

37

Das Dao verharrt ewig im Nicht-Tun
doch nichts bleibt bei ihm ungetan
Könnten die Herrscher ebenso handeln
dann würde die Welt von selbst erblühen, wie es sein soll

Doch wenn jemand unzufrieden ist mit dem natürlichen Wandel
und in seinem Ehrgeiz auf überflüssigen Zusätzen besteht –
dann muss man dieses Streben unterbinden
und ihn zur schlichten Natürlichkeit zurückrufen

Die Natur ist namenlos und leidet nicht unter Begehren –
darum erreicht sie die vollkommene Stille
In der Abwesenheit persönlicher Wünsche
führt der wunderbare Weg zur Ruhe
Dann stellt sich von selbst die Ordnung ein
unter dem Himmel auf Erden

38

Je wahrhafter die guten Eigenschaften
desto weniger streben sie nach Erscheinung
Umso höher ist die Sittlichkeit
je weniger sie sich in absichtsvoller Geschäftigkeit zeigt

Aus diesen Überlegungen können wir
die uns bekannten Tugenden vergleichen:

Der Träger der höchsten Tugend (De) handelt nicht absichtlich –
er hat keine Ziele, tut nichts
und doch lässt er nichts Notwendiges ungetan

Die hohe Menschenliebe (Ren) handelt nach des Herzens Ruf –
und rechnet nicht mit menschlichem Dank

Das Streben nach «Gerechtigkeit» ist erfüllt vom Verlangen,
alles so einzurichten, dass es ihr entspricht

Die «Sitte» treibt alles Handeln in den Rahmen von Ritualen
und zwingt jene, die nicht freiwillig folgen

So sehen wir: Mit dem Verlust des Dao
bleibt uns die Tugend (De)
Mit dem Verlust der Tugend
bleibt die Hoffnung auf Menschlichkeit
Mit dem Verlust der Menschlichkeit
wird überall noch das Gesetz befolgt
Mit dem Verlust des Gesetzes
bleibt nur noch das Zeremoniell

Doch das Ritual ist die leere Hülle des Glaubens
Wenn die Idee zur bloßen Blüte entartet
ist das der Anfang von Unwissenheit und Torheit
und das Vorzeichen naher Verwirrung

Darum wählt der Weise nicht die Hülle, sondern den Inhalt
Er bevorzugt nicht die Blüten, sondern die Früchte

39

Alles, was seit jeher besteht, strebt nach Ganzheit:
Der Himmel strebt nach Reinheit und Leere
die Erde nach Stabilität und Festigkeit
das Wasser fließt und füllt die Adern der Ströme
und jedes Lebewesen müht sich, neue Generationen hervorzubringen

Auch der Herrscher bewahrt die Ganzheit des Staates
indem er dem Volk ein Beispiel vollkommener Eigenschaften gibt

Der Verlust der Ganzheit aber führt stets zur Gefahr:
So zerreißt die Gewitterwolke den Himmel in Stücke
so kann die Erde im Erdbeben zerbersten
so versiegen die Flussbetten in der Wüste
so verschwindet jede Art, wenn sie nicht neues Leben zeugt

Wenn der Herrscher dem Volk nicht auf sittlicher Höhe erscheint
dann ist seine Herrschaft in Gefahr zu stürzen
Denn das Niedrige ist stets die Grundlage des Hohen –
der Halt des Volkes stärkt jede Obrigkeit
Hat der Herrscher nicht Grund, sein Volk zu achten?

Wenn der Herrscher sich selbst «nichtig» und «arm» nennt
so sucht er vielleicht auf diese Weise
Unterstützung und Mitgefühl beim Volk
Doch das ist ein falscher Weg, der ihn eher in Gefahr bringt
seine Würde vor den Augen des Volkes zu verlieren

Bedenke: Wenn du den Wagen zerlegst
kannst du auf den Einzelteilen nicht fahren
Denn jedes Ding ist nur in seiner Ganzheit nützlich
mit dem richtigen Verhältnis seiner Teile

Darum: Falle nicht in den Fallstrick der Selbstüberhebung
halte dich nicht für kostbaren Jade
Doch halte dich auch nicht für wertlosen Kieselstein

40

Die Bewegung des Dao kommt aus der Verneinung
In der Schwäche liegt der Motor des Kreislaufs

Aller Dinge Entstehung kommt aus dem Sein
doch die Erscheinung des Seins selbst
kommt aus der Verneinung des Existierenden

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Wenn der Weise vom Dao erfährt, bemüht er sich, es zu verwirklichen
Der gewöhnliche Mensch ist mal begeistert, mal lässt er es wieder
Der Tor lacht darüber
Doch ohne dieses Lachen wäre das Dao nicht es selbst

Nicht umsonst heißt es:
Wer von Licht und Geist erfüllt ist, wirkt seltsam
Wer den klaren Weg sieht, wirkt wie verirrt
Wer geistige Höhen erreicht hat, wirkt wie erniedrigt
Wer von hoher Reinheit ist, wirkt in den Augen der Menschen wie verdorben

Es gibt viele Beispiele für diesen Widerspruch:
Die höchste Fülle ruft unwillkürlich das Gefühl des Mangels hervor
Wie oft wird in der höchsten Tugend Betrug vermutet!
In der Wandelbarkeit der Welt ist es schwer, die sichere Wahrheit zu finden

Das Große geht über die gewöhnlichen Grenzen der Wahrnehmung hinaus:
Die Ecken des großen Quadrats lassen sich nicht bestimmen
Das große Geschenk erfordert langes Warten und kommt nur selten
Die Ohren hören den allzu starken Klang nicht
Das große Bild des Dao hat keine klare Gestalt
Es ist namenlos und verbirgt sich wie die Luft vor unseren Augen

Und doch schafft das Dao alle Anfänge der Welt
und führt alle Prozesse in ihr zur Vollendung

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Das Dao ist ungeteilt und trägt die Einheit der Welt
In der Einheit eines jeden Dinges aber finden wir bei näherer Betrachtung
zwei einander ausschließende Strebungen
zwei polare Qualitäten, die ständig ineinander übergehen
Und es gibt eine dritte Kraft, die diese Wandlung hervorbringt

Diese Dreiheit bestimmt den Atem der Welt
und die Grundlage aller Dinge
Jedes Wesen trägt in sich die Eigenschaften von Yin und Yang
und mit Hilfe der Lebenskraft Qi
wird die Harmonie ihrer Verbindung geschaffen –
die Harmonie des Teilens, die Freude an Gerechtigkeit und Einklang
was wir Dui nennen

Alle Menschen, die Unglück und Not überwinden
versuchen zumindest in den Augen anderer glücklich zu erscheinen
Sie mögen es nicht, als Versager bezeichnet zu werden
Doch die Mächtigen, die Glück und Reichtum besitzen
nennen sich absichtlich «arm» oder «erfolglos»

So strebt das Erniedrigte danach, sich zu erheben
während das Erhabene zur Selbsterniedrigung neigt
Wer durch Gewalt seine Stellung erreicht hat
fürchtet Gewalt gegen sich selbst
«Die harten Lektionen des Lebens werden mich vieles lehren –
und das Gleiche wird mir die Welt erwidern»
Hierin liegt die Bedeutung dieser Spiegelung

43

Mit der Zeit überwindet das Nachgiebige das Harte
Und das Stofflose
dringt ein in das, was keinen Raum hat
Der Weise, der dies versteht
zieht Nutzen aus dem Nicht-Tun
Seine Lehre ist wortlos
Doch selten ist einer in der Welt
der dieses Prinzip annimmt
und es sich zur Lebensweise macht

44

Was ist dem Körper näher: Der Name oder das Leben?
Was ist wertvoller: Das Leben oder all der angesammelte Besitz?
Ist es nicht so, dass das Erwerben
schwerer ist als das Überwinden eines Verlustes?

Je größer der Ruhm und der Schatz
desto größer wird bald der Fall sein
Je mehr Gefühle und Emotionen das Leben aufnehmen
desto härter wird die Abrechnung

Nur wer das Maß wahrt
vermeidet erfolgreich Schande und Not
und verlängert sein Leben um lange Zeit

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Was nahe der Grenze geschieht, gleicht der Drehung eines rollenden Rades:
Das Gesicht der vollkommenen Makellosigkeit wirkt an der Grenze wie lasterhaft
Die unerschöpfliche Fülle schließt sich im Grenzbereich mit der Leere zusammen
Große Kunst wirkt ungeschickt, zerbrechlich und einfach
Ein stammelnder Satz ist im Bemühen um Genauigkeit zu vernehmen
Die Worte großer Wahrheit dringen in das Paradoxon ein

Man weiß, dass Bewegung die Kälte besiegt
und in der Ruhe findet man ein Mittel gegen übermäßige Hitze
Wenn die Welt ein geheimnisvolles Rätsel in unser emotionales Wirrwarr bringt
dann entzündet die Ruhe im klaren Denken das Licht für sein Verständnis

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